• Foto: Demag, Terex

Tipps zum Krankauf


Da in Industriehallen schwere und große Lasten bewegt werden, müssen bei Neubauten oft ein oder mehrere Brückenkrane installiert werden. Dabei stellt sich die Frage, welcher Kran der richtige ist.


Denn der Bedarf ist groß: Pro Jahr entstehen laut Statistischem Bundesamt alleine in Deutschland rund 11.000 neue Produktions-, Handels- sowie Lagergebäude. Wie erhalten Industrieunternehmen oder Generalunternehmer den für sie optimalen Kran und stellen dessen reibungslosen Einbau und Betrieb sicher?

Die ersten Fehlerquellen finden sich schon in der Planungsphase: Viele Unternehmen, die ein neues Produktions- oder Lagergebäude benötigen, beauftragen einen Generalunternehmer für den Bau und damit auch für den Kran. Tappt dieser aber hinsichtlich der technischen Anforderungen des Krans im Dunkeln, entspricht das installierte Fördermittel nicht unbedingt dem tatsächlichen Bedarf. Häufig fehlt zudem der Blick fürs Ganze: Die Unternehmen bauen erst die Halle und suchen dann nach einem Kran. Beides passt dann nicht zueinander. Zum Beispiel, wenn der Kranträger für die geforderte Traglast nicht zwischen Kranbahn und Hallendecke passt. In einem a-deren Fall könnten Unternehmen womöglich Kosten sparen. Nämlich dann, wenn sie einen Leichtbaukran mit einem deutlich geringeren Eigengewicht im Vergleich zu konventionellen Kranen einsetzen: In diesem Fall ist die Hallenstatik überdimensioniert. Aber auch, wenn noch kein Kran geplant ist, macht es im Rahmen der Planungen Sinn, die zu errichtende Halle für eine zukünftige Kranbahn auszulegen, denn Nachrüsten ist immer schwieriger.

Wer Kranexperten bereits bei der Planung der Halle mit einbezieht, liegt bei Konzeption, Auswahl und Betrieb von Hallenkranen in der Regel richtig. „Im Idealfall sollte der Bauträger den Kranlieferanten mit ins Boot holen, sobald der Architekt den ersten Bauplan für die Halle erstellt hat“, empfiehlt deshalb Thomas Hacke, Produktmanager Universalkrane bei Terex Material Handling. „Dann lassen sich Halle und Kran exakt aufeinander abstimmen.“ Um den richtigen Kran und -hersteller zu finden, sollte der Betreiber ein Lastenheft erstellen. Die Ausführung des Krans hängt von zwei Faktoren ab: den räumlichen Gegebenheiten und seinen zukünftigen Aufgaben. Zuden wichtigsten Angaben gehören die Spannweite bzw. Brückenlänge, Haken- und Kranträgerhöhe, die Hub-und Fahrgeschwindigkeiten sowie die Hallenlänge und maximale Traglast. Außerdem ist es wichtig, ob der Kran für den Dauerbetrieb oder für den sporadischen Einsatz gebraucht wird. Letzterer sollte auch im Hinblick auf die kommenden Jahre gewählt sein. Auch detaillierte Hallenpläne helfen den Kranlieferanten, passende Angebote zu erstellen.

Nachdem der Kran grob geplant ist und Angebote verschiedener Hersteller vorliegen, muss sich das Unternehmen für eine Variante entscheiden. Hier stellt sich die Frage: Entspricht die technische Ausstattung den Anforderungen? Die Angebote lassen sich zum Beispiel hinsichtlich der Motorleistungen, der Geschwindigkeiten von Heben, Senken und Verfahren sowie des Bediengeräts vergleichen. Vorteilhaft sind Krane mit geringem Eigengewicht, die Hallenstatik und Kranbahn weniger belasten und durch die sich die maximale Tragfähigkeit erhöhen lässt. Je höher die Lebensdauer ist, desto mehr lohnt sich die Investition. Ausführungen mit niedriger Bauhöhe bieten mehr Hakenhöhe bei geringeren Raumumbauten. Das spart nicht nur Heizkosten, sondern auch Steuern. Auch Zubehör – insbesondere Assistenzsysteme – gewinnen an Bedeutung: Ein Ferndiagnosesystem kann Wartungsbedarf frühzeitig erkennen. „Selbst, wenn zum Beispiel aktuell eine Schützsteuerung ausreicht, könnte sich in einigen Jahren eine intelligente SafeControl-Steuerung auszahlen, die den Bediener und Instandhalter mit digitalen Diensten unterstützt“, sagt Hacke.

Neben den technischen Faktoren sollten aber auch wirtschaftliche und organisatorische Aspekte in die Entscheidung für einen Kran einfließen. Ein solcher Punkt ist mitunter die Stromzufuhr entlang der Halle: Kalkulieren alle vorliegenden Angebote diese bereits für einen oder mehrereKrane mit ein? Wichtig ist, dass Kranplanung und -inbetriebnahme über einen zentralen Ansprechpartner laufen. Denn der Kranhersteller kümmert sich nur um das flurfreie Fördermittel, ein Logistikdienstleister wiederum um die Anlieferung und ein weiterer Partner um die Montage.

Ein anderer – extrem einflussreicher – Faktor sind die Betriebsbedingungen des Krans. Schließlich beeinflussen nicht nur der Anschaffungspreis, sondern auch die laufenden Kosten die Rentabilität. „Schon in der Angebotsphase sollte sich ein Krankäufer überlegen, wie zuverlässig und kompetent der Service der Kranlieferanten aussieht und ob er vor Ort präsent ist“, sagt Hacke. „Wichtig ist auch, ob und wie schnell Ersatzteile zur Verfügung stehen.“ Zusätzlich bedenken sollten Unternehmen die Länge der Gewährleistung. Diese liegt je nach Hersteller zwischen der gesetzlichen Vorgabe von 24 Monaten und mehreren Jahren – letzteres meist in Verbindung mit einem Servicevertrag, gekoppelt mit einem Rundum-sorglos-Paket.

Ist die Entscheidung für einen Kran gefallen, geht es an die Planung der Montage. Der Zeitpunkt für die Installation hängt zum einen davon ab, wann die räumlichen Voraussetzungen wie Kranbahn und Stromanschlüsse fertig gestellt sind. Zum anderen ist es wichtig zu bestimmen, ab wann der Kran gebraucht wird. „Je früher der Bauträger die Kranmontage ansetzt, desto besser, weil die Halle noch leer ist“, erklärt Hacke. Wie lange die Montage dauert, hängt von der Größe des Krans ab. Kleinere Brückenkrane werden komplett geliefert und lassen sich in einem halben bis ganzen Tag installieren. Mehr Zeit sollten Bauträger für größere Krane einplanen: Diese bauen Monteure erst vor Ort komplett zusammen; die Installation kann mehrere Tage beanspruchen. Zum Schluss muss der Kran noch die vorgeschriebene Sicherheitsprüfung bestehen. Diese beinhaltet neben dem Durchfahren aller Betriebszustände und Sicherheitsfunktionen auch einen Einsatz mit Überlast. Diese Prüfungen übernehmen meist Sachverständige, die seitens der Berufsgenossenschaftsvorschrift BGV D6 dazu ermächtigt sind. Erst dann ist der Kran mit geprüfter Sicherheit einsatzbereit.


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